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Berufsbild

Der Kinésitherapeut ist aus dem heutigen Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Wer aufgrund seines hohen Alters, einer Behinderung , einer Erkrankung oder einer Verletzung bei Sport oder Unfall, auf eine Kinésithérapie angewiesen ist, der weiß dies auch zu schätzen.
Des Weiteren erkennen die Menschen und Politiker immer mehr die Bedeutung von Prävention, welche auch noch mit zu den Kompetenzen der Kinesitherapie fällt.

Das Berufsbild beinhaltet Behandlungen in nahezu allen Fachgebieten der heutigen Medizin. Kinésitherapeuten analysieren und therapieren Patienten mit Haltungs- und Bewegungsstörungen oder Störungen der inneren Organsysteme wie Atmungs- und Herz- Kreislaufsystem. Das Ziel ist die Wiederherstellung, Erhaltung oder Förderung der Gesundheit und dabei sehr häufig die Schmerz-Reduktion.

Der Therapeut nutzt primär manuelle Fertigkeiten, gegebenenfalls ergänzt durch natürliche physikalische Reize wie z.B. Wärme, Kälte, Druck, Elektrotherapie.

Der Beruf des Kinésitherapeuten erfordert Interesse am gesamten menschlichen Bewegungsapparat mit seinen Muskeln, Knochen, Sehnen und Organe, dem Nervensystem und zusätzlich muss man den sozialen Kontakt mit Menschen mögen.

Schwindeltherapie

Der sogenannte gutartige anfallsweise auftretende Lagerungschwindel ist eine relativ häufige Schwindelursache. Bis zum 70. Lebensjahr bekommt jeder 3.Mensch irgendwann diese harmlose, aber zunächst bedrohlich erscheinende, Schwindelform. Das Durchschnittsalter liegt zwischen 51 und 57 Jahren. Alterungsprozesse des Ohr-Labyrinthes scheinen bei der Entstehung eine Rolle zu spielen.

Insgesamt findet man bei 50-70% keine Ursache, 30-50% sind sekundär zu anderen Störungen wie Schädeltrauma, virale Labyrithitis oder Neuronitis vestibularis, Morbus Menière, Migräne oder Innenohroperationen. Leider wird bei diesem Syndrom immer noch viel zu selten die richtige Diagnose gestellt und richtig behandelt. Die Folge ist dann oft die Entwicklung unnötiger Ängste. Die Beschwerden bilden sich meistens wieder vollständig zurück, können aber wieder kommen. Der Schwindel klingt bei Menschen die sich weiterhin bewegen in 2-6 Wochen auch von alleine ab, allerdings dauert dies deutlich länger als wenn sinnvoll behandelt wird.

Als Symptom tritt am häufigsten von Anfang an nur bei bestimmten Kopfbewegungen ein Drehschwindel auf. Es kann auch beim Laufen das Gefühl da sein als ob man auf einer Matratze läuft. Es handelt sich dabei um Schwindelattacken von kurzer Dauer, etwa 10 bis 40 Sekunden.

Der Auslöser der Schwindelsymptomatik liegt in unserem Gleichgewichtsorgan, das im Felsenbein der Schädelbasis neben dem Ohr lokalisiert ist. In den Bogengängen dieses Organs befinden sich kleinste Kalzitkristalle. Diese sind in der Regel fest verankert. Wenn sich ein « Steinchen » löst und sich an einer dafür nicht vorgesehenen Stelle ablagert kommt es zum Schwindel.

Die Behandlung ergibt sich aus dem Mechanismus des Entstehens des Schwindels. Ihr Kinésitherapeut versucht durch ein spezielles Lagerungsmanöver, das man auch Befreiungsmanöver nennt, das Steinchen mit einer einmaligen Bewegung aus dem Bogengang hinaus zu spülen. Die Behandlungen bei anderen Formen des Schwindels bestehen unter anderem aus dem Gebrauch eines Drehstuhls um die Werte des Patienten zu normalisieren sowie statischen und dynamischen Übungen.

Schwindelbehandlung

Die vestibuläre Behandlung entwickelt sich im Kinésithérapiebereich schon seit einigen Jahren. Sie erlaubt es, Patienten mit verschiedenen Pathologien des Innenohrs zu behandeln: Lagerungsschwindel, Nervenentzündungen, Reiseübelkeit,…Alle diese Erkrankungen durchlaufen eine Trilogie von Symptomen von Schwindel über Nystagmus (Bewegung der Augen) bis hin zu Gleichgewichtsstörungen.

Myotherapie

Myotherapie ist eine Form der manuellen Therapie um Verspannungen in der Muskulatur zu lösen und so die Harmonie zwischen den verschiedenen Muskelketten wieder herzustellen. Die Myotherapie bedient sich der Atmung und der spezifischen Positionierung verschiedener Gliedmaßen um die Verspannungen aufzuheben. In der Regel wird einmal pro Woche behandelt.

Manuelle Lymphdrainage

Die manuelle Lymphdrainage dient vor allem als Ödem- und Entstauungstherapie geschwollener Körperregionen, welche nach Traumata oder Operationen entstehen können. Durch kreisförmige Verschiebetechniken, welche mit leichtem Druck angewandt werden, soll Flüssigkeit aus dem Gewebe in das Lymphgefäßsystem verschoben werden. Die manuelle Lymphdrainage wirkt sich überwiegend auf den Haut- und Unterhautbereich aus und soll keine Steigerung der Durchblutung, wie in der klassischen Massage, bewirken. Auch in der Schmerzbekämpfung, wie auch vor und nach Operationen, soll sie helfen, das geschwollene, mit Zellflüssigkeit überladene Gewebe zu entstauen und den Heilungsprozess besser voranschreiten zu lassen.

Stoßwellentherapie

Stoßwellen sind kurze, energiereiche mechanisch-akkustische Wellen die durch Wasser ohne Abschwächung fortgeleitet werden. Auch elastische Körpergewebe wie Muskeln und Fett werden von Stoßwellen ohne Wirkung durchdrungen. Erst wenn die Stosswelle auf feste Gewebebestandteile trifft zum Beispiel Kalkablagerungen oder Knochen, entlädt sich die in der Stoßwelle enthaltene Energie und wirkt auf den Widerstand im Gewebe.

Stoßwellen wurden ursprünglich eingeführt zur Entfernung von Nieren und Gallensteinen ohne Operation. Was früher eine unvermeidliche Operation war, kann nun in vielen Fällen mit Extrakorporaler Stoßwellen-Therapie schonend behandelt werden.

Stoßwellentherapie kann nicht nur Verkalkungen zertrümmern, sondern auch Sehnenansatzentzündungen behandeln und sie hilft auch gut bei chronischen Erkrankungen. Stoßwellen beschleunigen den Heilungsprozesse in den Geweben.

Stoßwelle und Kalkschulter
Am häufigsten wird die Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter (Tendinitis calcarea) eingesetzt; diese Anwendung ist sehr gut belegt. Verschiedene Studien haben die Wirksamkeit der Stoßwellentherapie bei diesem Befund nachgewiesen. Die Behandlung ist aber nicht für alle Fälle von Kalkschulter geeignet. Wenn die herkömmlichen konservativen Behandlungen der Kalkschulter keine Wirkung zeigen, sollte man aber den Einsatz der Stoßwellentherapie als letzte Maßnahme vor einem operativen Eingriff in Betracht ziehen.

Stoßwellen bei Fersensporn und Plantar-Sehnenentzündung
Dies gilt auch für Entzündungen an der Fußsohle (Fasciitis plantaris) mit und ohne Fersensporn. Hier wirkt die Stoßwellentherapie nachweislich ähnlich gut wie die örtliche Cortison-Behandlung. Stoßwelle hat aber keine der schädlichen Nebenwirkungen einer Cortison-Behandlung. Insbesondere wird das Fettpolster an der Ferse nicht vermindert durch Stosswellenbehandlung

Stoßwelle bei Tennisellenbogen (Epicondylitis)
Beim Tennisellenbogen (humeroradiale Epikondylopathie) zeigen zahlreiche Studien die gute Wirkung der Stoßwellentherapie im Bereich nahezu aller Sehnenansätze, Schleimbeutel und weiterer möglicher Entzündungsherde.

Stoßwelle bei Achillessehnenentzündung (Achillodynie)
Auch für Entzündungen an der Achillessehne (Achillodynie), am Knie (Patellarsehnen-Entzündung oder Jumper´s-Knee) sowie bei verkalkten Schleimbeutelentzündungen (Bursitiden) wird die Stoßwellentherapie erfolgreich eingesetzt.

Wann darf eine Stoßwellentherapie nicht angewendet werden?
Die Stoßwellentherapie ist ausgeschlossen bei
Gerinnungsstörungen
Bösartigen Tumorleiden
Akuten Entzündungen im Behandlungsgebiet
Schwangerschaft
Große Nerven- oder Gefäßstränge im Behandlungsgebiet

Auch wenn in oder hinter der Behandlungsregion Lungengewebe liegt, ist die Stoßwellentherapie ausgeschlossen. Für die Schulterverkalkung bildet zudem ein Riss der Rotatorenmanschette ein Ausschlusskriterium.


Ablauf der Stosswellenbehandlung
Der Patient wird zunächst stabil gelagert. Der Fokus des Stoßwellengeräts auf die zu behandelnde Stelle ausgerichtet. Die Stoßwellen werden dann mit einer bestimmten Frequenz und mit zunehmender Energie in den Körper übertragen. Dabei entstehen gewisse Schmerzen. Der Kinesitherapeut achtet darauf, dass diese Schmerzen erträglich bleiben. Sollten sie zu stark werden, wird die Energie der Wellen herabgesetzt oder die Behandlung unterbrochen.
In der Regel behandelt man mit ein bis höchsten fünf Sitzungen im Abstand von 1 Woche. Pro Sitzung werden zwischen 1000 und 3000 Stoßwellen verabreicht.

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