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Pressemeldung vom 06.08.11

Barfuß Schritt für Schritt


In der Osteopathie stehen Bewegung und Beweglichkeit im Vordergrund. Hierfür spielen Füße eine tragende Rolle. Daher hat sich das Grenz-Echo mit der Osteopathin Sofie Colpaert von der Praxis Medikos in Bütgenbach unterhalten.

Können durch »falsches Gehen« Schmerzen entstehen?

Ich verfolge als Osteopathin einen Ganzkörperansatz. Natürlich können sich Fußprobleme und schlechte Gehgewohnheiten auf das Befinden des gesamten Körpers auswirken – und umgekehrt.

Wie wichtig ist es, ab und an barfuß zu gehen?

Das Barfußgehen stärkt und trainiert die Fußmuskulatur und ist dadurch für den ganzen Körper vorteilig. Eine starke Fußmuskulatur gewährleistet eine gute Federung im Körper und an den Gelenken. Neben diesem gesundheitlichen Aspekt ist es ein intensives Gefühlserlebnis, wenn man mit nackten Füßen den Untergrund erkundet. Man kann und sollte ruhig ab und zu die Schuhe in die Ecke pfeffern – besonders im Sommer.

Was spricht dafür, immer barfuß zu gehen?

Ich würde davon abraten, von heute auf morgen komplett auf die Schuhe zu verzichten. Barfußgehen ist zwar eigentlich eine ganz natürliche Sache. Unsere Vorfahren waren immer ohne Schuhe unterwegs. Allerdings wird häufig vergessen, dass die Untergrunde, auf denen sie damals gingen, anders waren als heute. Wir gehen über geteerte Straßen, befestigte Bürgersteige und durch eingerichtete Wohnungen und nicht durch Wälder, Wiesen und Höhlen. Unsere Füße sind den heutigen Untergrund also nicht mehr gewöhnt. Wer also komplett auf Schuhe verzichten möchte, der sollte sich Schritt für Schritt an diesen Zustand herantasten. Anfangs ist es ratsam, häufig reliefhaltigen Untergrund zu begehen, damit sich die Muskeln und die Biomechanik daran gewöhnen können. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Barfußgehen viele Vorteile hat. Nicht zu vergessen ist aber, dass ein guter, passender Schuh vor Verletzungen schlitzen und Halt geben kann.

Welche Gefahren kann das permanente Barfußgehen bergen?

Abgesehen von der Verletzungsgefahr durch Gegenstände, die am Boden liegen, müssen bestimmte Patienten vorsichtig sein. Bei Diabetikern, Menschen mit Erkrankungen des peripheren Nervensystems oder mit Frostballen (hallux valgus) ist die Verletzungsgefahr groß, daher ist hier von ständigem Barfußgehen abzuraten. Wichtig ist für alle potenziellen Barfüßler, sich langsam an die Sache heranzutasten. (nawi)

Auszug aus: Grenz-Echo vom 06.08.2011